Coming Out

Coming Out

Wenn du den Menschen, die dir wichtig sind, anvertraust, dass du z.B. schwul oder bisexuell bist, dann ist dies ein Coming Out, wie die meisten Menschen es definieren würden. Bevor es aber soweit ist, dieses „äußere“ Coming Out zu haben kommt erst einmal das „innere“ Coming Out, bei dem du dir selber klar machst und es langsam akzeptierst, dass du eher oder nur auf Jungs als auf Mädchen stehst. Oft dauert dieses innere Coming Out sehr lange, das ist voll und ganz okay. Die Frage, ob man mehr auf Jungs oder auf Mädchen steht ist auch nicht einfach zu beantworten, und oft zweifelst du, ob das, was du gerade in diesem Moment fühlst „normal“ ist. Wie merkst du, dass du in so einem inneren Coming Out steckst? Zum Beispiel, wenn du deine Situation in diesen Beschreibungen wiedererkennst.

Das Coming Out bedeutet oft einen Bruch in deinem Leben. Nicht nur deine Familie und deine Umgebung, auch du selbst wirst möglicherweise Probleme damit haben und deine Homosexualität als etwas Schlechtes wahrnehmen, ganz einfach weil du die Werte, die du seit Kindheit übernommen hast, dagegenstehen. Daher  ist es auch heute oft genug ein Schock wenn du merkst, dass du „anders als die anderen“ bist.

Das äußere Coming Out zeichnet sich dadurch aus, dass du anderen Menschen, mit denen du zu tun hast (oft zunächst einem Verwandten oder einer Freundin, dem/ der du nahe stehst) erzählst, dass du auf Jungs stehst. Viele Schwule sagen dies aber nicht gleich allen, die sie kennen, sondern nur einigen wenigen, denen sie vertrauen. Ein Coming-Out ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden. Manche Menschen sind schon älter, wenn sie ihre Homo- oder Bisexualität ihren Familien, Kollegen oder ihrem Freundeskreis offenbaren. Oft haben sie dann sehr lange sich selbst und ihrer Umgebung eine Rolle vorgespielt, in vielen Fällen sind sie sogar verheiratet oder haben Kinder.

Das Coming Out bei Eltern

Viele Eltern erwarten von ihrem Sohn, dass er irgendwann mal mit einer Freundin nach Hause kommt. Und was, wenn die Freundin dann ein Freund ist? Das kann auch in der Familie zu Versteckspielen führen. Oft ist es das Beste, mit offenen Karten zu spielen. Es geht hier schließlich um dein eigenes Leben. Auch wenn Eltern manchmal erst enttäuscht oder wütend reagieren, denke daran: Du selbst hast auch Zeit gebraucht, um dir darüber bewusst zu werden, dass du auf Jungs stehst. Auch Eltern machen sich nur selten Gedanken darüber und haben viele Vorurteile im Kopf. Lass nicht nur dir selbst, sondern auch deinen Eltern Zeit!

 

Aller Anfang ist schwer…

Das Schwierigste ist natürlich anzufangen. Wer dir erzählt, dass er beim ersten Mal, dass er jemanden angesprochen hat, nicht Herzklopfen gehabt hat, der lügt dich an. Aber du musst nicht alleine und einsam sein, weil du auf Männer stehst. Eine schwule Jugend- oder Coming Out-Gruppe kann da zum Beispiel ein guter Schritt sein, hier kannst du dich mit anderen unterhalten und etwas unternehmen. Und das Ganze mit Jungs, die ähnliche Wünsche und Träume haben wie du. Hier kannst du offen Fragen stellen, Dinge ansprechen, die dich beschäftigen, denn dafür gibt es die Gruppe. Und ganz nebenbei lernst du die schwul-lesbische Szene kennen.